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Hier können Sie lesen, womit wir unsere Zeit verbringen, wenn wir gerade nicht unterrichten, üben, komponieren, meditieren. Meist ergibt es sich aber, dass das, was Sie hier lesen, viel zu tun hat mit dem, was uns als Lehrer und als Künstler wichtig ist.

Neue Pläne in Überlingen am Bodensee

Ab Juli 2019 haben wir eine Dépendance, ein zweites Standbein, einen ergänzenden Unterrichtsort am Bodensee, fast 800 Kilometer entfernt von Oldenburg. Hier werden wir phasenweise unterrichten. Ein Atelier und ein kleiner Vortragsraum werden dazugehören und allen Aspekten unserer künstlerischen und pädagogischen Arbeit eine zusätzliche Note verleihen. 

Eine große Besonderheit hierbei: Ein von mir entwickeltes Konzept mit dem Namen MUSIKZIMMER WELTWEIT  wird von hier seine Kreise ziehen - die Keimzelle, das 0-te Musikzimmer, zunächst noch von uns bespielt, befindet sich in der wunderschönen Altstadt von Überlingen, wenige Meter von der Bodensee-Promenade entfernt. Wir sind Untermieter eines von jungen, engagierten Leuten betriebenen Bio-Hotels mit angeschlossener fair-ökologischer Kafferösterei und freuen uns sehr auf die neue Umgebung mit  ihrer kulturell reichhaltigen, alternativen und zukunftsträchtigen Ideen offenen Atmosphäre.

Storchenpflegestation Wesermarsch - und die Weser bei Berne

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Emil-Schumacher-Ausstellung in Rastede

Machmal trifft es einen unerwartet. Irgendwoher hatte ich einen Flyer, der mir am Sonntag erneut in die Hände fiel, eine Stunde vor Eröffnung der besagten Ausstellung, und schon standen wir im wunderschönen Rasteder Palais vor einem Gemälde, das ich spontan zu den faszinierendsten zählen würde, die wir in den letzten Jahren gemeinsam gesehen haben. Da die Eröffnungsreden im Nebensaal noch eine gute halbe Stunde weitergingen und sich die zahlreichen Besucher eher den Vortragenden zuwendeten, hatten wir einen ungehinderten Blick auf das erste Werk im Eingangsbereich. En passant bekamen wir noch mit, wie von fachkundiger Seite vorsorglich dazu aufgefordert wurde, Schumachers Werke nicht zu intellektuell zu betrachten, was uns aber auch nicht eingefallen wäre. Wir genossen einfach die Existenz dieser Kunst, die in allen Details so lebhaft und nachdrücklich Farbe, Material und Linie interagieren lässt und bei allen Anklängen an naturhafte Strukturen doch ein Künstler-Ich erkennen lässt, das sehr genau wusste, was es tat, indem es gerade nicht wissen wollte, als was es hinterher erkannt werden könnte. Eine sehr empfehlenswerte Ausstellung für Freunde der abstrakten Malerei und solche, die sich in der reinen Wahrnehmung üben wollen. Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntag 11-17 Uhr.

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Jan Oeltjen

Ein herrlicher Ausflug in den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer - in unserem Fall an den Jadebusen bei Varel - führte uns nach einem Cappuccino am Vareler Hafen auf die Spuren des in Jaderberg geborenen Malers Jan Oeltjen (1880-1968). Im Oldenburger Prinzenpalais waren wir schon früher auf ihn aufmerksam geworden, und jetzt bekamen wir direkt eine kleine Führung durch das nach ihm benannte Künstlerhaus ( www.jan-oeltjen.de ), wo man sich hingebungsvoll seinen Werken widmet, bereits ein komplettes Werkverzeichnis erstellt und ganz ohne öffentliche Förderung ( wohl aber mit Hilfe von Sponsoren ) einen Kunstort etabliert hat, ohne den offiziellen Status eines Museums anzustreben. Ein sehr vielschichtiger und interessanter Künstler ist er, dieser Jan Oeltjen: Anhand seines Werks und den stilistischen Einflüssen, denen gegenüber er sich offen zeigte, kann man einen wirklichen Überblick über die kunstgeschichtliche Entwicklung der Malerei der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts bekommen und sich gleichzeitig hineinversetzen in die Lebenssituation eines Malers, der nach Lehr- und Wanderjahren vorübergehend in seine Heimat zurückkehrte, um in  Oldenburg vermittels eines Kreises von kunstinteressierten Menschen aus dem Umfeld des Theaters und des Stalling-Verlages durchaus zu Erfolg zu gelangen. Eine sehr anregende Idee!

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Grigory Sokolov in der Glocke

Schon wieder die Glocke, diesmal mit einem Klavierabend. Im Mittelpunkt standen Schumann, Chopin und Schubert, dargeboten von einem der bemerkenswertesten Pianisten unserer Zeit. Möge sein kompromissloses Künstlertum noch lange den Widrigkeiten des Konzertbetriebes gewachsen sein. Mögen ihm Klavierstimmer beschieden sein, die vorausberechnen können, welche physische Beanspruchung des Instruments aus der Entfesselung höchster künstlerischer Energie erwachsen kann. Möge er weiterhin ertragen, dass immer irgendwann ein Handy Laut gibt, dass sich immer übereifrige Applaudierer finden werden, die entweder in das noch nicht Verklungene hineinklatschen oder der hörbaren Stille zwischen zwei Sätzen unbedingt den Garaus machen müssen. Möge er sich noch lange die Hoffnung erhalten, dass er durch sein Spiel seinem Publikum einen Anreiz gibt, dem Beispiel seiner Konzentriertheit zu folgen. Möge es ihm immer wieder gelingen ( wie auch in diesem Konzert ), schon aus den ersten Tönen der Schumannschen Arabeske einen Raum erstehen zu lassen, der so dicht, so klangerfüllt ist, dass er fast beginnt, sichtbar zu werden; möge er in dem B-Moll der Chopin Sonate immer wieder in Bereiche vordringen, die zeigen: weit im Leben ist nah am Tod - aber in Todesnähe lässt sich sehen, was sonst verborgen wäre. Möge er seine Programme weiterhin so disponieren, dass Schubert sinnvoll auf Chopin folgen kann, dass die alten Schlachtrösser der Klavierliteratur nicht gespielt werden, weil das Publikum darauf besteht, sondern weil der Künstler es für richtig hält; möge er es weiterhin so halten, aber nicht weil ich es will, sondern weil es von ihm gewollt sein soll.

 

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Beethovenweg und Bachstraße

Ich will ja nichts überbewerten, aber als Mensch mit wachen Sinnen, der zudem ein Interesse für klassische Musik hegt, erscheint mir diese kleine Anekdote doch erwähnenswert:

In einer Nachbargemeinde der Stadt Oldenburg zeigten sich die Ratsmitglieder "genervt" von dem Vorschlag ihrer Verwaltung, drei neu entstandene Straßen mit Komponistennamen zu benennen, weil es dieserlei Straßennamen ja in anderen Gemeinden schon zur Genüge gäbe. Es wurde dann zurückgegriffen auf Namen von verdienten Bürgern - teilweise mit identischen Nachnamen -, die wirklich außerhalb der Gemeinde nirgends anzutreffen sind. Dass hier bei Feuerwehr- und Notarzteinsätzen eine Verwechselungsgefahr besteht, wurde als das kleinere Übel angesehen gegenüber Benennungen wie "Beethovenweg" und "Bachstraße". Schade eigentlich.

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Simone Kermes in der Glocke

Was uns in Berlin die Philharmonie war, das ist uns jetzt die Glocke in Bremen - ein Konzertsaal von überregionalem Ruf, der uns immer mal wieder lockt, namhafte Sänger, Pianisten, Dirigenten und Orchester zu erleben. Die Anfahrtsdauer ist auch die gleiche geblieben. So erlebten wir also ein Abendprogramm mit der Sopranistin Simone Kermes, einem italienischen Kammerorchester, das auf Alte Musik spezialisiert ist - und zwei Tänzern, die im Programmheft zwar aufgeführt sind, auch reichlich zu tun hatten, aber deren Beteiligung doch überraschte, denn  bis zum Konzertbeginn hatte für uns nichts darauf hingewiesen, dass es sich um ein szenisches Konzert handeln würde.

Das Programm bestand aus sehr viel - zumeist italienischen, vereinzelt auch französischen und spanischen - Arien und Orchesterstücken in d-moll und g-moll, aber auch F-Dur war dabei: will sagen, eine kleine Schwäche rein barocker oder vor-barocker Programme wird immer sein, dass die Vielfalt an tonartlichen Farben begrenzt ist, und ähnliche Tonarten auch zu ähnlichen kompositorischen Ausdruckswerten führen. Aber auf einer anderen Ebene war ja für Abwechslung gesorgt. So spannte sich ein Handlungsbogen vom Anfang ( Werben zweier Tänzer um die Hand einer Sängerin mit allen Verwicklungen ) bis zum Ende ( Purcell, Didos Klage ).

Simone Kermes ist eine Sängerin, die gestalterisch manchmal mehr will, als die Stimme freiwillig gibt, was dazu führt, dass einige Arien durchsetzt waren mit Unzulänglichkeiten in der Intonation besonders der Mittellage. Die temperamentvolleren, gewissermaßen aus einer Wut-Energie genommenen Stücke waren durchweg im Ausdruck überzeugend und auch technisch perfekt. Das Orchester spielte sehr engagiert und tadellos. Am Ende gab es Blumen für alle Beteiligten und noch einige ( zahlreiche ) Worte der Sängerin an das Publikum, u.a. weil die CD, die mit dem Abend promotet werden sollte, noch nicht ausgeliefert wurde.

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Von Berlin nach Oldenburg

Oldenburg Berliner Platz
Blick auf Oldenburg aus Berliner-Bären-Sicht

Vom Wahl-Berliner zum Wahl-Oldenburger zu werden, ist eine Sache, die der Erläuterung bedarf. Mehr als im umgekehrten Falle jedenfalls. Wir haben uns für Oldenburg als neue Heimat entschieden, weil wir beide aus dem Norden kommen, im Westen, Süden und Osten Deutschlands bereits gelebt haben, uns die Anbindung an eine Stadt ebenso wichtig ist wie die Natur, weil wir es lieben, mit dem Fahrrad fast alles erledigen zu können, weil wir für unsere Arbeit ein eigenes, ausreichend großes Haus benötigen, weil drei bis vier Bio-Supermärkte zur Auswahl völlig ausreichen, das Angebot an Cafés, Restaurants und Wochenmärkten groß ist, man selbst entscheiden kann, wann man eine ruhige und wann eine lebhafte Umgebung bevorzugt, und ob man heute ans Meer fährt und wegen schlechten Wetters heute Abend wiederkommt, ist auch keine tragische Angelegenheit.

Michael Olsen beim Überreichen unsortierter Buchstaben ( Fortsetzung folgt )
... und hier unser neues "Firmenschild"